Vom Internet zum WWW (WorldWideWeb) Der Physiker Tim Berners-Lee, der am europäischen Kernforschungszentrum
CERN - Conseil EuropÈen pour la Recherche NuclÈaire - in Genf
arbeitete, wollte es den Wissenschaftlern des CERN ermöglichen, die Ergebnisse
ihrer Arbeit miteinander auszutauschen, unabhängig vom jeweils verwendeten
Computersystem und losgelöst von vielen verschiedenen Programmen. An
und für sich war das schon möglich, man konnte sich sehr wohl Dateien
von anderen Servern via Internet auf seinen eigenen Computer herunterladen.
Berners-Lee schwebte jedoch ein WWW vor, welches es ermöglichen sollte,
dass alle diese Dokumente in der gleichen Programmiersprache geschrieben,
einheitlich formatiert wären, so dass sie durch ein entsprechendes Programm,
einen sogenannten Browser, dargestellt werden könnten. So wäre es
egal, ob der eine Forscher beispielsweise Word benutzen würde und Dateien
eines anderen Textverarbeitungsprogramms nicht öffnen könnte oder
ihm durch das Öffnen mit einem anderen Programm Formatierungen verloren
gehen würden. Somit waren das WWW und die HTML-Sprache geboren (Hypertext
Markup Language), der Code, der eben die einheitliche Formatierung von
Text ermöglichte und durch diese Standardisierung von den Browsern gelesen
werden konnte, wie bereits erwähnt unabhängig von verschiedenen
Computersystemen. Nun war HTML erst der vereinheitlichende Standard, der die problemlose und
mehr oder weniger plattformunabhängige Formatierung von Text ermöglichte.
Damit diese HTML-Dateien via Internet innerhalb des Dienstes WWW übertragen
werden konnten und vor allem auch online angeschaut, brauchte es ein Protokoll,
das die Übertragung der Dateien regelt. Dieses Protokoll ist das HTTP
(Hypertext Transfer Protocol). Ebensolche Übertragungsprotokolle,
die zusätzlich zu dem TCP/IP notwendig sind, gibt es auch für
die anderen Internetdienste: FTP beispielsweise ist gerade selbst dieses
Protokoll, bei EMAIL sind es Protokolle wie SMTP zum Verschicken der
Mails oder POP und IMAP für das Empfangen von Mails. Vielleicht die wichtigste Voraussetzung für die ab etwa 1993 einsetzende explosionsartige Ausweitung des WWW war die Freigabe der WWW-Technologie durch das CERN im April 1993: Jedermann konnte die Technologie benutzen, ohne irgendwelche Patentrechte erwerben oder Copyrightgebühren entrichten zu müssen. Das WWW war so vollständig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, der Boom des Web war nicht mehr zu bremsen: Während 1993 weltweit 50 HTTP-Server existierten, waren es Ende 1994 schon 100'000. Und 1995 war WWW der führende Dienst innerhalb des Internets: Der Umfang des Datentransfers des WWW hatte denjenigen von FTP überflügelt. Browser, Netscape und Microsoft Was aber noch fehlte, war eine Möglichkeit, das WWW auf
einfach Weise zu erforschen, die Benützung jedermann zu ermöglichen.
Dieser erste Browser, der am CERN entwickelt wurde, hatte nicht viel Ähnlichkeit
mit heutigen Browsern, wie gesagt, er war rein textorientiert, konnte ausschliesslich
Text darstellen. Auch HTML war noch keinesfalls vergleichbar mit den heutigen
damit verbundenen Möglichkeiten. Der wichtigste Unterschied: Es standen
noch keine Hyperlinks zur Verfügung. Sie wurden erst ins Leben gerufen,
als die amerikanischen Studenten Marc Andreesen und Eric Bina 1992 am NCSA
- National Center for Supercomputing Applications der University of Illinois
- den sogenannten NCSA X-Windows Mosaic-Browser entwickelten: Dieser Browser
und die verwendete HTML-Sprache ermöglichten erst das eigentliche "surfen",
das Anklicken von Links mithilfe der Maus (Point and Click) auf einer grafischen
Oberfläche, einem GUI (Grafical User Interface).
Zu einem grossen Schlag gegen Netscape holte Microsoft dann
aus, als das neue Betriebssystem Windows 95 auf den Markt kam. Microsoft schloss
mit den grossen Onlinediensten AOL und CompuServe
eine strategische Partnerschaft: Die Onlinedienste verteilten an ihre Mitglieder
kostenlos den Internet Explorer, die Gegenleistung Microsofts bestand darin,
dass AOL und CompuServe in den Desktop von Windows 95 integriert wurden. Durch
einfachen Mausklick konnten die Benutzer von Win95 Zugang zu den beiden Onlinediensten
erhalten. Auch war in Win95 der einfache Zugang zum Microsoft
Network (MSN) integriert, ebenfalls einem Onlinedienst. Daraufhin begann
das amerikanische Justizministerium auf Veranlassung Netscapes, 1996 gegen
Microsoft zu ermitteln: Ein Problem stellt nun die HTML-Sprache dar. HTML sollte ein
Standard sein, an den man sich hält, damit eben der Austausch von HTML-Dateien
problemlos geschehen kann. Jemand muss also neue HTML-Standards bestimmen,
neue Versionen der Sprache definieren. Dies macht W3C,
das World Wide Web Consortium, welches 1994 durch Berners-Lee gegründet
wurde. Das jedenfalls ist die De-Jure-Situation. De facto sieht das ein wenig
anders aus, nämlich dass die grossen Browserhersteller Microsoft
und Netscape sehr wohl die jeweils neuesten
HTML-Versionen in ihre neuen Browser integrieren, daneben jedoch auch immer
wieder eigene Erweiterungen der Sprache, die sie als sinnvoll erachten. Wird
nun eine solche nicht standardisierte Neuerung von den WWW-Nutzern gebraucht,
müssen andere Browser-Hersteller nachziehen und diese Erweiterungen "nachbauen"
in ihren eigenen Browsern. Schliesslich werden dann solche bisher nicht standardisierten
Änderungen in eine neue HTML-Version aufgenommen. Der neueste durch W3C
bekanntgegebene HTML-Standard ist die Version 4.01, er wurde am 24. Dezember
1999 bekanntgegeben.
Die URL - Uniform Resource Locator - ist nebst HTML und HTTP
drittes wichtiges Glied des WWW, ebenso aber auch anderer Dienste auf dem
Internet. C:\WINDOWS\COMMAND\SCANDISK.EXE Eine URL definiert eigentlich nichts anderes, nur bietet sie
die Möglichkeit, nicht ausschliesslich auf lokale Dokumente zu verweisen,
sondern eben auf Dateien, die sich irgendwo auf dem Internet befinden. Die
Struktur einer URL ist genau definiert, ich gehe kurz auf die einzelnen Teile
ein. Als Beispiel dient folgende WWW-Adresse: Diese URL verweist auf das Vorlesungsverzeichnis der Universität
Zürich für das Wintersemester 2000/2001. Nämlich auf die
HTML-Datei "index.html" im Verzeichnis VVZV2 auf dem Server www.unizh.ch.
Lautet die Top Level Domain wie in diesem Fall ch,
so bedeutet dies grundsätzlich nur, dass die unmittelbar links von ihr
stehende Serverbezeichnung, hier also unizh, von SWITCH
an die Universität Zürich vergeben wurde. ch bedeutet nicht
zwingend, dass sich dieser Server auf Schweizer Hoheitsgebiet befindet, wie
etwa das Beispiel www.pearsoft.ch zeigt:
dieser gern besuchte Server befindet sich in Thailand. Während die Second Level Domains unter den Top Level
Domains, welche Länderkürzel darstellen, meist von nationalen Organisationen
vergeben werden, existieren daneben weitere Top Level Domains, com,
net, org, edu, int und gov. Sie sind nicht
national gebunden, sondern "frei" verfügbar. Second Level Domains unter
diesen Top Level Domains können bei verschiedenen kommerziellen Anbietern
registriert werden, darüber informiert etwa InterNic. Die tatsächliche Adressierung eines Servers läuft
nun nicht über eine URL in obenstehender Form, sondern über eine
sogenannte IP-Address.
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